Berichte der Akademie 55plus Darmstadt 2011

Das I.G.Farben Haus

Die Verwaltungszentrale der I.G. Farben, des damals weltgrößten Chemiekonzerns hat den 2. Weltkrieg unzerstört überstanden. Das überrascht, war doch die I.G. Farben übel in die Kriegs- und Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus verstrickt. Ob bewusst ausgespart oder versehentlich nicht vor Bomben getroffen – wurde es nach Kriegsende von der amerikanischen Besatzungsmacht zum Hauptquartier ausgewählt und war über Jahrzehnte für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Seit 2001 ist das I.G. Farben Haus Teil der Johann Wolfgang Goethe Universität und beherbergt einen Großteil der geistes- und kulturwissenschaftlichen Fakultäten.

Entworfen wurde das schlossähnliche Gebäude Ende der zwanziger Jahre von dem bedeutenden Architekten Hans Poelzig. Frau Dr. Jakob von der Initiative Kultur-Erlebnis führte die Gruppe der Aka 55plus fachkundig in die Besonderheiten des sowohl repräsentativen als auch funktionalen Gebäudes ein.

Eindrucksvoll das pompöse Foyer, edel der ovale holzverkleidete Raum im ersten Stock, der ehemals Versammlungsraum der 12 Aufsichtsräte des Konzerns war und dann zum Arbeitszimmer des General Eisenhowers wurde. Durch die zahlreichen Fenster konnte er die Aussicht auf den Park mit wunderschönem alten Baumbestand genießen – darüber hinaus kann man heute die Skyline Frankfurts bewundern.

In den beiden Seitenflügeln des Gebäudes befinden sich in allen Stockwerken die Bibliotheken der einzelnen Fakultäten, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Eindrucksvolle hohe Räume, die Wände mit edlen Holzregalen bedeckt. Zwischen den Bibliotheken in den verschiedenen Stockwerken kann man heute noch mit Paternostern hin- und herfahren. An vielen Türen kann man den „Reichsform Drücker“ bewundern, die Türklinke, die Hans Poelzig in den 30gerJahren entworfen hat.

Eine Tafel neben dem Eingangsportal des heutigen Universitätsgebäudes weist auf die wechselvolle Geschichte des Gebäudes hin, das heute der Forschung und Lehre dienen soll. Damit die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät, ist in den Fluren des Hauses eine umfangreiche Dauerausstellung zur Geschichte des Geländes, des Hauses und seiner Nutzer zu sehen.
marwen