Berichte der Akademie 55plus Darmstadt 2011

Heinrich Heine (1797 bis 1856) - Vortrag mit Rezitation

Der  1797 in Düsseldorf geborene Jude Harry Heine nennt sich nach seiner christlichen Taufe im Jahre 1825 Heinrich Heine, und später in seiner Pariser Zeit Henry Heine. Seine beruflichen Versuche als Kaufmann schlugen fehl. Umso heftiger setzt sich nach Studien in Berlin bei August Wilhelm Schlegel und in Bonn sein schriftstellerisches Talent durch.

Neben drei großen Gedicht-Sammlungen und einigen  bedeutsamen Prosawerken wie „Die Harzreise“ (1826), „Deutschland – Ein Wintermärchen“ (1844) und „Atta Troll – Ein Sommernachtstraum“ (1843) war Heine ständig auch als Publizist bemüht, dem Feuilleton einen literarischen Anspruch zu verleihen.

Heine gilt als leidenschaftlicher Dichter in einer revolutionären  Zeit. Mit  beißendem Spott und frechen Satiren  brachte er immer wieder alle Welt gegen sich auf, was ein Beispiel seiner satirisch geschärften Prosa aus der Harzreise beweisen mag:“ Im allgemeinen werden die Bewohner  in Göttingen eingeteilt in Studenten, Professoren, Philister (meint in etwa Spießbürger) und Vieh,  … der Viehstand ist davon der bedeutendste.“ Dabei legte sich Heine nicht für die Bürger noch gegen die Aristokratie fest, obwohl er mit Karl Marx  und Ludwig Börne enge Beziehungen unterhielt. Es war seine teuflische Freude am Spott und sein ungezügelter Geist, mit denen er versuchte, die  Epoche der Romantik zu überwinden und als großer Aufklärer zu wirken.

1831  entfloh Heine  aus der Enge der deutschen Verhältnisse („Denk’ ich an Deutschland in der Nacht …“) und übersiedelte  nach Paris, was ihm wiederum viel unberechtigte öffentliche Vorwürfe einbrachte. 1835 wurden seine Schriften in Deutschland zeitweise verboten. Trotzdem hat er gerade in der Fremde seinem Vaterland die Treue gehalten. Die letzten 8 Lebensjahre verbrachte Heine schwer krank in seiner „Matratzengruft“, wie er es nannte. Trotzdem war seine Schaffenskraft nahezu ungebrochen. Seine schillernde Dichterpersönlichkeit sorgte quasi mit seinem Tod für den Beginn der Nachlassstreitereien. Wie verhasst er den „Nazi-Kulturverantwortlichen“ gewesen ist, mag das Beispiel belegen, dass sein überaus und bis heute auch international beliebtes Volkslied über die Loreley  „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ jahrelang nur mit dem Vermerk „Autor unbekannt“ veröffentlicht wurde.

Heinrich Heine, der Dichter zwischen allen Stühlen, fand am 11. November im Darmstädter Literaturhaus mit Dr. Helmut Haselberg einen würdigen Interpreten. Dieser setze seinen Ausführungen und Zitaten einen glänzenden Schlusspunkt, indem er seine Lieblingsballade „König Belsazar“ eindrucksvoll rezitierte.
wsw