Berichte der Akademie 55plus Darmstadt 2011

Senioren in die Mucki-Bude? - Aber selbstverständlich!

Davon war und ist der Referent überzeugt und sieht sich einig mit vielen Sportwissenschaftlern und Physiologen: Die Kraft (und um sie ging es beim Vortrag „Aufrecht und selbstbestimmt bis ins hohe Alter“) sei ein bedeutendes Element, um Fitness und Lebensqualität im Alter zu erhöhen und den Alterungsprozess wesentlich hinauszuziehen. Und um ein Krafttraining zu beginnen, kann es - allen ängstlichen Bedenken zum Trotz - nie zu spät sein.

Das scheint den männlichen Aka-Mitgliedern vollkommen klar zu sein, denn sie waren (mit einer Ausnahme) dem engagierten Vortrag des erfahrenen und durchtrainierten ehemaligen Sportlers Horst Allmann fern geblieben. Oder müssen eher Frauen ihre Kraft trainieren, um ihren kraftlosen Gatten und danach sein Grab möglichst lange pflegen zu können?

Die Frage, warum wir Menschen des 21. Jahrhunderts - genetisch eigentlich Jäger und Sammler - nun Hocker und (Bewegungs-)Faulenzer geworden sind, wäre einen eigene Vortrag wert. Die Folgen sind hinlänglich bekannt. Dabei könnten gezielte Übungen und vor allem ein angeleitetes Krafttraining vielen Altersbeschwerden vorbeugen bzw. lindern, wenn nicht sogar heilend wirken: bei Muskelabbau, Osteoperose, Arthrose, Knochenmasseverlust, Schmerzen von orthopädischen Schwächen u.a..

Der ältere Mensch muss sich vor Augen halten, dass die grassierende und oft nicht bekämpfte Bewegungsarmut zu frühem Verlust der körperlichen Unabhängigkeit führt. Wir Senioren werden zwar nicht mehr die Schnelligkeit und Ausdauer eines jungen Menschen erreichen, aber es gilt, möglichst wenig Muskelmasse zu verlieren. Es geht nicht um das „Body-Building“ der Muskelmänner (und -frauen), sondern um die Erhaltung bzw. sogar Erneuerung von Muskeln, um mit einer altersgerechten Kraft und Ausdauer im Alltag zu bestehen.

Ca. 70 % der menschlichen Muskeln bestehen aus langsam reagierenden Fasern, verantwortlich für alle trägen Bewegungen; sie bleiben uns auch ohne Übung bis zum Tod erhalten. Aber die „schnellen“ Muskelfasern, die für Haltung, Körperspannung, Rückenkraft, Reaktionsvermögen, Ausdauer und generelle Mobilität sorgen, wollen beschäftigt werden, sonst bilden sie sich schnell und z.T. unwiederbringlich zurück.

„Use it or lose it!“ (Gebrauche es oder verliere es) gelte für Gehirn und Körper gleichermaßen, betonte Almann. „Wir brauchen intensivere Muskelkontraktionen und höhere Kraftreize als sie uns der Alltag abfordert“ - d.h. ein „überschwelliges“ Training“ durch regelmäßige, wiederholte Übungen. Radfahren, Schwimmen, Walking ist gut, aber nicht ausreichend, da nicht der ganze Körper gefordert wird.

Und noch ein markanter Satz: „ Muskelfaule ältere Menschen werden zu lebenden Friedhöfen ihrer einst starken Muskelfasern.“ Viele positive Nebeneffekte ergeben sich durch ausgewogenes, nicht übertriebenes Training, so z.B. Stärkung der Herz- und Blutgefäße, Minderung von Fett, Blutfett und Gewicht.

Diese Appelle verfehlten ihre Wirkung nicht: Die Zuhörerinnen waren wie elektrisiert für einige Beispielübungen (z.B Aufstehen mit Beinkraft). Sie hätten den Referenten zu einer sportlich aktiven Verlängerung seines Vortrags verleitet, wenn der Raum nicht anderweitig vergeben gewesen wäre. Aber wer weiß, vielleicht heisst es: Fortsetzung im nächsten Aka-Semester.

Letzte Aufmunterung an alle Anwesenden: „Bleiben Sie so fit, dass Sie Ihre Kinder im Altersheim besuchen können!“  - kpr -