Berichte der Akademie 55plus Darmstadt 2011

8 586 m zum Frühstück – 10 Tage durch Bhutan

Dia - Vortrag 18.11.2011

NEIN, der dritthöchste Berg der Welt (Kangchenjunga 8586 m) war nicht von Bhutan aus zu sehen, sondern vom Hotelbett in Sikkim (Indien): rechts aus dem Fenster und links im Spiegel, beides im Morgenrot unfassbar schön. Deshalb der Titel des Vortrags.


NEIN, wir bauen keine Pipeline vom Himalaya nach Deutschland. Denn das Gas wird Butan geschrieben, das Land des Donnerdrachen heißt BHUTAN.
NEIN, „KUSAZANPO“ heißt nicht „Guten Tag“ in der Dzonghka-Sprache, sondern „Guten Morgen“. Aber die Zuhörer sollten doch angemessen begrüßt werden und anderes gab der Reiseführer nicht preis.


Kanchenjunga oder die vielen anderen weißen Riesen von mehr als 6000 / 7000 / 8000 m Höhe bilden die Kulisse für die 10tägige Reise durch ein wunderbares Land.


Puntsholing ist Grenzstation zwischen Indien und Bhutan, dort beginnt eine kurvenreiche Straße, die es erst seit 1958 gibt, die ca. 1 000m aus der feuchtheißen Ebene hinauf ins Hochland führt. Selbst die Hauptstadt Thimphu war bis dahin nur mit Mauleseln durch blutegelverseuchtes Gebiet zu erreichen. Heute führen sehr wenige, zum Teil abenteuerliche, schmale, jedoch einigermaßen gepflegte Straßen an steilen Abhängen entlang. Die Hauptachse verbindet den Westen mit dem noch weniger besiedelten Osten, wo es erst seit einigen Jahren einen zweiten Grenzübergang nach Indien gibt. Sie verbindet 2 größere Städte, Ortschaften, einzelne Gehöfte, Tempel und Dzongs. In einem Dzong befinden auf dem gleichen Gelände Gebäude der weltlichen Macht sowie ein buddhistisches Zentrum, viele dienten früher als Festung.


Da per königlichem Dekret vom Verkehrshäuschen über Banken, Hotels, Geschäfte, Bauernhäuser, Klöster, Dzongs alles im landestypischen Stil gebaut werden muss (weiß gekalkter Sockel, darüber Fachwerk und Holzschnitzereien, wunderschön bemalt), sehen alle Gebäude ein bisschen wie Puppenhäuschen aus. Darin leben landesweit ca. 660 000 Bhutaner, davon etwa 33 000 in der Hauptstadt. In Paro gibt es sogar einen Flughafen mit einem eigenen Flieger!


Die raue, bergige Landschaft lässt nur selten weite Blicke zu: von unten hinein in die schluchtähnlichen Täler und von ganz oben hinunter oder in die Ferne zu den Schneebergen hinter denen Nepal und Tibet liegen.


Bhutan ist ein sonderbares Land, in dem Glück als höchstes Ziel in der Verfassung verankert ist, dessen König vor wenigen Jahren auf freien Wahlen für eine echte Demokratie bestand, dessen Kronprinz kürzlich aus Liebe eine Bürgerliche heiratete, die er sich aussuchte, als diese 7 Jahre alt war; ein Land, das die Touristenzahlen beschränkt und deshalb von jedem Gast pro Tag pauschal 200 US-Dollar „all inclusive“ verlangt, dessen Kinder vom 1. Schuljahr an Englisch und Ökologie als Unterrichtsfächer haben.
Aber es ist leider schrecklich weit weg! Oder Gott sei Dank?
Mika