Berichte der Akademie 55plus Darmstadt 2011

Auf den Spuren fürstlicher Namen

 Alice – wer war das?

Eine gute Frage, die wohl die wenigsten Darmstädter genau beantworten könnten.
Alice, geboren 1843 in London als Tochter der legendären Königin Viktoria und deren Ehemann Prinz Albert, wurde die Frau des Großherzogs Ludwig IV von Hessen und bei Rhein.
Schon damals übernahmen „First Ladies“ karitative Aufgaben, meist mehr als Schirmherrinnen oder Geldgeberinnen denn als aktive Helferinnen.

So gab es den Alice-Frauenverein für Krankenpflege und den Alice-Verein für Frauenbildung und Erwerb. Noch heute erinnern die Alice-Eleonoren-Schule, das Alice-Hospital, das Alice-Denkmal sowie die Alice-Straße und der Alice-Platz im Johannesviertel und die Alicen-Eiche im Kranichsteiner Wald an die mit 35 Jahren viel zu jung verstorbene (1778) Großherzogin.

Der Gang durch die Straßen mit fürstlichen Namen begann auf der Mathildenhöhe.

Erbherzog Ludwig (später Ludwig III) hatte 1833 gegen einige andere bedeutende Bewerber das Rennen um die Hand der 1813 in Augsburg geborenen Prinzessin Mathilde von Bayern gewonnen. Als Hochzeitsgeschenk erhielt sie unter anderem einen Park, der auf dem Areal eines alten Weinberges angelegt wurde. Zum Ausstellungsgelände, wie wir es heute kennen, wurde dieser Hügel mit dem ehemaligen Wasserreservoir erst durch die vom letzten Großherzog 1899 ins Leben gerufene Künstlerkolonie.

Erschlossen wird das nunmehr bebaute Gelände unter anderen vom Alexandraweg (Tochter von Alice, Schwester des Großherzogs Ernst-Ludwig und letzte Zarin), Nicolaiweg

( Nikolaus II ,letzter Zar Russlands), Prinz-Christians-Weg (Landgraf v. Hessen Darmstadt, 1763 – 1830).

Am Ende der Ollenhauerpromenade überquerten wir die Alexanderstraße, hörten auf dem Platz vor dem Staatsarchiv von der tüchtigen Großen Landgräfin Karoline, die, um ihre sieben Töchter gut zu verheiraten, mit drei der jungen Damen die beschwerliche Reise nach Russland auf sich nahm. Tochter Wilhelmine wurde die Frau des Zarewitsch Paul, dem Sohn von Katharina der Großen. Sie starb dort jämmerlich im Kindbett.

Jener Paul reklamierte als Witwer die Braut des Darmstädter Erbprinzen Ludwig ( später Ludewig I) für sich, dafür wurde das „Bäschen“ Luise, (geb. Landgräfin von Hessen) die künftige Großherzogin und, was man so liest, nannte man den zentralen Platz der Stadt, wenn auch viel später, zu Recht nach der beliebten Landesfürstin.

Am oberen Ende der Wilhelminenstraße, beim Alice-Denkmal verwies Frau Dr. Schlüter auf den westlich vom Staatstheater liegenden verwahrlosten Marienplatz, den die einheimischen Russlanddeutschen „Russischen Parkplatz“ nennen.

(Das ist übrigens längst nicht alles, was Darmstadt zu diesem Thema zu bieten hat!!!)

Zu all dem gibt es interessante Geschichten, die natürlich nur erfuhr, wer bei unserem wunderbaren Gang am 3.November dabei war, sich selbst durch die Geschichte der Darmstädter Dynastien wurstelt oder im nächsten Semester an diesem Stadtgang teilnimmt, der aufgrund der großen Nachfrage wiederholt wird.

Mika