Berichte der Akademie 55plus Darmstadt 2011

Mönch auf Zeit in Südindien

Er ist nur „Mönch auf Zeit“ und kommt immer wieder nach Darmstadt zurück: Christoph Lübbert, ehemaliger Mathematiker und Professor. Gut für die Aka, bei der er seit Beginn tätig ist und gut für die zahlreichen Darmstädter, die sich im Staatsarchiv seine „Indiengeschichten 2011“ anhören durften.

Es gab keinen Theravada-Buddhismus-Crash-Kurs, wie er schon im Programmheft betont hatte, sondern einen Einblick in ein fremdes Land und eine fremde Religion, angereichert mit vielen Begegnungen, ewigen Weisheiten und ganz irdischen Problemen.

Zu Beginn dieses Jahres machte sich der Referent wieder einmal auf nach Südindien in sein Lieblingskloster: Mahabodhi  heißt es und befindet sich in Bangalore, einer Millionenstadt. Geleitet wird es vom 90jährigen Abt Bada Bhante. Wer im Religionsunterricht gut aufgepasst hat, weiß, dass der Buddhismus ein etwas anderer Glauben ist. Hier gibt es keinen Gott und keine Gebote durch irgendeine höhere Instanz. Gleichwohl gibt es die fünf buddhistischen sittlichen Selbstverpflichtungen. Sie sind unerlässliche Mindestvoraussetzungen für die Möglichkeit, das buddhistische Ziel zu erreichen: Die vollständige Befreiung von Gier, Hass und Verblendung. Um dies zu erreichen, darf man niemanden töten oder verletzen, nicht stehlen, keinen sexuellen Missbrauch betreiben, nicht lügen und keinerlei Drogen konsumieren, die dem Geist oder Körper schaden.

Siddharta Gautama, wahrscheinlich im 5. Jahrhundert vor Christus geboren,  wurde zum Stifter einer Weltreligion (der viertgrößten). Seine Lehrreden, die er in der Sprache Pali hielt, wurden von seinen Anhängern mündlich weitergegeben und erst im 1. Jahrhundert nach Christus in Sri Lanka niedergeschrieben. Der berühmte „Dreikorb“ heißt so, weil die Reden in drei Textsammlungen (Körben) gegliedert sind.

    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Christoph Lübbert tauchte tief ein in die Geheimnisse des Theravada-Buddhismus. In seinem Kloster, das 100 junge und zehn voll-ordinierte alte Mönchen beherbergt, erfuhr er vieles über die Wunschformel „May you be happy“ – wach sein, in der Stille sich und die Umwelt erkennen.

Gleich daneben aber wurde er mit der Welt draußen konfrontiert. Denn er war nicht nur zum Meditieren gekommen, sondern auch, um praktische Hilfe zu leisten. Und so reparierte er Klos und Möbel in der benachbarten Schule, die – von Schweizern gestiftet-  dem Kloster angeschlossen ist. Die staatliche anerkannte Primary School wirbt mit dem Etikett „Holistic Education – Child Friendly School.“ Das klingt nach einem ganzheitlichen, modernen pädagogischen Ansatz. Und dass die Schüler vorwiegend weltliche Interessen haben, erfuhr der Mönch auf Zeit an einem normalen Wochentag, als plötzlich alle Geschäfte geschlossen hatten. Die Lösung entdeckte er im Versammlungsraum mit dem Fernseher: Das Semifinale im Nationalsport Cricket wurde übertragen. Pakistan war der Gegner, Indien gewann, wie auch später im alles entscheidenden Endspiel gegen Sri Lanka. Weltmeister Indien! Wow!

Die Begeisterung des Redners für diesen fernen Winkel der Erde übertrug sich auf die Zuhörer. Dieter Heymann, der Organisator der Vorträge und 2. Vorsitzende der Aka brachte es auf den Punkt: „Sie haben  es geschafft, das Interesse für die Kultur und Menschen dieses Landes zu wecken und Ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen.“
H.B.