Berichte-Archiv der Akademie 55plus Darmstadt

Depression im Alter

Trauer, Leere. Erschöpfung, Verzweiflung, Scham, Schuldgefühle  - das sind Stimmungen die jeder kennt. Sie können die Folge belastender Lebensereignisse wie Trennung, Verlust, Stress oder Krankheit sein. Werden diese Stimmungen zu andauernden Zuständen, kommen Ängste, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und weitere Symptome hinzu, so besteht die Gefahr, dass die betroffene Person in eine Depression abgleitet.

  • Depression kann jeden treffen
  • Depression hat viele Gesichter
  • Depression ist behandelbar

Das war das Resümee  des Vortrags von Frau Dr. Neundörfer-Kohl bei der Akademie 55plus. Und das ist auch die Botschaft, die das Deutsche Bündnis gegen Depression zu verbreiten sich zum Ziel gesetzt hat, um die Lage der Erkrankten zu verbessern und Suiziden vorzubeugen. Überdurchschnittlich suizidgefährdet  sind alleinstehende Männer über 70, die an Depression erkrankt sind.

Eine wichtige Voraussetzung für die Heilung ist, dass die Krankheit als solche diagnostiziert wird. Zwar gibt es keine „Altersdepression“ als eigenes Krankheitsbild, aber  im Alter äußert Depression sich häufiger in Form von körperlichen Beschwerden.

Der erste Gang führt in der Regel zum Hausarzt, der nach Ausschluss eines organischen Leidens überprüfen sollte, ob der Patient möglicherweise an einer Depression leidet.  Eine Diagnosehilfe ist  z.B. der  WHO-Five Well-being Index (WHO-5), der 5 Fragen zum Befinden über zwei Wochen umfasst.

Ist die Krankheit als solche diagnostiziert, muss ein individueller Behandlungsplan entwickelt werden. Wichtig ist, dass der Patient/ die Patientin die Krankheit akzeptiert. Nicht der Kampf gegen die Krankheit ist dann das Ziel, sondern die Erkenntnis: Ich bin krank, ich muss etwas tun, damit ich wieder zu Lebensfreude zurückfinde.

Oft ist die Einnahme von Medikamenten erforderlich – in der Regel vorübergehend. Suchtgefahr besteht auch bei längerer Einnahme von Antidepressiva nicht, aber Nebenwirkungen sind, wenngleich weniger gravierend als früher, nicht auszuschließen.

Eine psychotherapeutische Betreuung depressiver Patienten ist zu empfehlen, wenn das Bedürfnis danach vorhanden ist und macht in jedem Lebensalter Sinn.

Selbsthilfegruppen, Tagesstätten, Arbeitstherapie können den Heilungsprozess unterstützen. Gesundheitsfördernd wirken sich außerdem Bewegung und Sport aus.

Sehr stark gefordert sind Angehörige und Freunde. Denn weder Appelle noch gut gemeinte Ablenkungsversuche sind hilfreich im Umgang mit an Depression erkrankten Menschen. Urlaubsreisen und Kuraufenthalte können  durch Überforderung Stress auslösen und dadurch die Situation eher verschlimmern. Erforderlich ist ein hohes Maß an Akzeptanz, Verständnis und Geduld - hilfreich ist die Gewissheit, dass es sich um eine Krankheit handelt, die behandelt werden kann.    

marwen