Berichte-Archiv der Akademie 55plus Darmstadt

250 Jahre Liesl Karlstadt und Karl Valentin

Filme und Vortrag von Herrn Heinz Krapp am 13.1.2012

„Mögen haben wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.“
…und können hätten sie schon, aber die Umstände waren dagegen. Dennoch wurden sie Meister ihres Faches – so man sie denn ließ. 

Valentin Friedrich Fey wurde 1882, Elisabeth Wellano 1892 geboren, daraus ergibt sich der Titel des Vortrags. 130 Jahre für ihn, 120 Jahre für sie, das macht 250 Jahre für beide.
Sie stammten aus einfachen Verhältnissen, schafften aber nicht wie Oliver und Hardy eine Tellerwäscherkarriere noch oben. Sie waren beliebt und bekannt, Anfang der 20er Jahre auch relativ wohlhabend, verarmten dann aber wieder durch ungeschickte Investitionen.
Der kränkelnde, oft cholerische, gelernte Schreiner, der seinen richtigen Namen umdrehte und zu Karl Valentin machte, (er bestand auf der Aussprache Falentin!), tat sich mit einer Soubrette, Elisabeth Wellano, zusammen. Sie nannte sich von da ab Liesl Karlstadt. In der Zeit von 1910 bis 1936 spielten sie Sketche und drehten Filme.
Ihre selbst verfassten Stücke zeichnen sich durch eine hintergründige Komik aus, die unter anderem dadurch entsteht, dass der Protagonist alles wörtlich nimmt, sich liebenswürdig respektlos verhält, eben ein „Grantler“ ist. Auch in den kritischsten Augenblicken fehlt jegliche Aggressivität. Selbst bei Missgeschicken und Missverständnissen machen sich die Personen gegenseitig keine Vorwürfe. Sie fügen sich in die Situation, beklagen sie zwar, setzen ihr aber keinen Widerstand entgegen.
Herr Krapp zeigte den wohl erfolgreichsten Film „Der Firmling“. (Man wird hier an Loriots Sketch „Das Bild hängt schief“ erinnert, in dem allerdings ohne Valentins Wortwitz das ganze Zimmer verwüstet wird.) Hier findet das Chaos im Gasthaus statt.
Ein heiteres Stück ist „Die Orchesterprobe“, in dem der Musiker Valentin den etwas trotteligen, aber gutmütigen Dirigenten (Liesl Karlstadt) zum Wahnsinn treibt.
Sehr anrührend ist der Film „Die Erbschaft“, in dem das verarmte Ehepaar irrtümlich eine Erbschaft, (ein komplettes Schlafzimmer), angekündigt bekommt. Voller Freude lässt die Frau umgehend ihre uralten Möbel zu Brennholz zersägen, um damit die ausstehende Miete abzugelten. Das neue Mobiliar erweist sich als viel zu klein, liliputanerklein. Und richtig – leider – war diese Erbschaft gar nicht für sie bestimmt, sondern für den kleinwüchsigen Mieter unter ihnen. Für das Paar bleibt nun gar nichts. Es gibt keinen Zorn, kein Wehklagen – beide legen sich eng aneinander geschmiegt zum Schlafen auf den blanken Fußboden.
Dieser Film wurde nach der ersten Aufführung 1936 von den Nazis verboten, er zeige Elendstendenzen, die es in Deutschland nicht gebe!!!
Niemand wagte es daraufhin, Valentin und Karlstadt Rollen anzubieten. Das Paar trennte sich.
Liesl Karlstadt schloss sich einer Gruppe Gebirgsjäger an, machte dort eine kleine Karriere und spielte nach dem Krieg in einer Rundfunkserie recht erfolgreich „Mutter Brandel“. Sie starb 1960.
Karl Valentin fasste nirgendwo mehr Fuß, er verarmte und verhungerte letzten Endes im Jahr 1948.
Mika