Berichte der Akademie 55plus Darmstadt 2011

Literarisch-historischer Spaziergang

Herrgottsberg – Ludwigshöhe – Prinzenberg

Nur wenige Meter vom Treffpunkt am Restaurant „Bölle“ entfernt, stellt Wanderführer Karl-Eugen Schlapp der Gruppe die Sage von der Teufelsklaue vor, die sich um den bizarren Felsen am höchsten Punkt des Herrgottsbergs windet. Historische Bezüge lassen sich dazu nicht finden, aber dass Teile dieses Felsens beim Bau der Orangerie verwendet wurden, gilt als sicher.

An die im 15. Jh. am Herrgottsberg errichtete Martinskapelle erinnert ein Steinkubus, der dem heute beliebten Abenteuerspielplatz somit einen Ruhepunkt spendet.

Die kleine Felsengruppe am Süd-West-Fuß des Herrgottbergs nahe dem Goetheteich bietet viel literaturhistorischen Stoff. Caroline Flachsland, die Braut Gottfried Herders, beide mit Goethe befreundet, weihten diesen Platz durch Gedichte, Briefe und Geschichten, die dort entstanden. Diese drei bildeten den Kern im „Kreis der Empfindsamen“. Der Kreis hatte kein höheres Ziel als zarte Empfindungen für einander zu pflegen. „Man vergoss Tränen der Rührung und erging sich in der reinen Natur“, so ein Zitat aufgesammelt von Fritz Ebner und vorgetragen von Karl-Eugen Schlapp, dem Initiator dieses Spaziergangs. Es ist nachgewiesen, dass der sehr bekannte „Felsweihe-Gesang an Psyche“ (Pseudonym für Caroline Flachsland), von Goethe im Jahre 1772 dort ersonnen wurde. Die von Schlapp gestellte Aufgabe“ Wer findet das in den Felsen geschlagene G (=Gervinus)“, war in ca. 30 Sekunden gelöst.

Die Aussichtsplattform am Ludwigshöheturm (242 m) ließ die Spaziergänger auf viele Sehenswürdigkeiten der Stadt, die Frankfurter Banken-Türme, den Großen Feldberg, den Rheingau und einige Rheinhessische Erhebungen bei Mainz hinunter- bzw. hinüberblicken. Nach einigen Blicken durch den Gartenzaum in den Skulpturengarten von Joachim Kuhlmann gelangten wir bequem zum (Eberstädter) Prinzenberg (241m). Wer dort zum ersten Mal den Gipfelrundweg betrat, konnte die Rheinebene mit Biblis, den Hickler-Buckel (heute Software AG), die Burg Frankenstein, Malchen und den Melibokus (517m) „zum Greifen nahe“ erleben. Als Abstiegsroute wählten wir ab Melita-Brunnen das reizvolle Hetterbachtal.

Der Spaziergang wird am 28. Oktober mit dem Endpunkt Streuobstwiesenzentrum wiederholt.

wsw