ist eines der bedeutendsten Heilbäder Deutschlands. Die Stadt genießt einen ausgezeichneten Ruf als führender Gesundheitsstandort. Sie steht an zweiter Stelle in Hessen, was Übernachtungen betrifft (nach Frankfurt/M). Der Referent Kurt Höhl verdeutlichte anschaulich, dass Bad Wildungen weit mehr bietet als Kur, Wellness und Gesundheit. Die nordhessische Kleinstadt präsentiert ein Stadtbild mit malerischem Fachwerk und prachtvollem Jugendstil.

Überall zeigen sich Spuren des vergangenen mondänen Badebetriebs. Man badete und ruhte in einer luxuriösen Atmosphäre. An diese Zeit erinnert auch der Kurschattenbrunnen mit seinen angeblich frivolen Figuren. Diesen eigentlichen Kurbetrieb gibt es heute nicht mehr, jetzt befinden sich hier beinahe ausschließlich Kliniken und Rehakliniken.

Im Stadtzentrum und entlang der Brunnenallee gibt es zahlreiche prunkvolle Villen. Im ehemaligen Hotel Fürstenhof, 1902 als Luxushotel erbaut, einem imposanten schlossartigen Bau, ist heute eine Klinik untergebracht.

Aber Bad Wildungen hat auch seine dunklen Seiten, an die der Hexenturm erinnert: Während der Hexenverfolgungen fielen in Wildungen 78 Menschen Hexenprozessen zum Opfer. Wildungen hatte damals 1.200 Einwohner. Unterlagen über diese Hexenprozesse gibt es noch, fast alle endeten tödlich, auch lebenslange Verbannung konnte verfügt werden.

Im Zentrum von Kurt Höhls Ausführungen steht die Evangelische Stadtkirche, eine spätgotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert. In ihr befindet sich der 1404 für die Pfarrkirche von Wildungen entstandene Altar von Conrad von Soest (um 1370–1422), einer der bedeutendsten Flügelaltäre der Spätgotik und das einzige gesicherte Werk des westfälischen Meisters. Das Altarbild ist ein Triptychon und besteht aus einem größeren Mittelteil und den beiden kleineren einklappbaren Außenflügeln. Er zeigt 13 Szenen aus dem Leben Christi, von der Geburt bis zur Himmelfahrt. Hervorzuheben ist die detailgetreue Darstellung und die vielen Kleinigkeiten. Die Farbenpracht des 14. Jahrhunderts erstrahlt noch immer, es wurde aber nie nachgearbeitet. Im rechten Teil - im unteren linken Bild - befindet sich die älteste Darstellung einer Brille nördlich der Alpen. Aufgeklappt ist der Altar über sieben Meter breit. Leute aus aller Welt besuchen diese Kirche im Zentrum der Altstadt.


Im Stadtteil Altwildungen befindet sich das barocke Schloss Friedrichstein. Es beherbergt das Museum für Militär- und Jagdgeschichte mit ausgefallenen Exponaten, z.B. das erbeutete und aufwendig restaurierte Zelt eines Sultans.

Ende der 1990er Jahre wurde der Kurpark der Stadt Bad Wildungen nach Westen hin durch eine naturnahe „grüne Brücke“ mit dem benachbarten Kurpark Reinhardshausen zu einem Großkurpark verbunden, der nun mit einer Fläche von 50 Hektar als der größte Kurpark Europas angesehen werden kann.

Wieder gelang es dem Referenten, bei den aufmerksamen Zuhörern Interesse für seine nordhessische Heimat zu wecken.

Text: Sigrid Geisen / Fotos: Kurt Höhl