Wer von uns erinnert sich nicht an die gefühlt rasanten Runden auf dem Kinderkarussell, der Reitschul‘? Manche Mutter und Großmutter rang vielleicht schon angstvoll die Hände, wenn der sehr jugendliche Nachwuchs auf den begehrten weißen Holzpferdchen ein paar harmlose Kapriolen zu machen versuchte. Aber die Musik!!! Dieses einmalige quäkende Gedudel, das weithin über den kleinen Kirmesplatz oder den großen Rummel schallte, ist den meisten von uns (inzwischen) Oldies heute noch in angenehmer Erinnerung.
Das war sicher ein Grund für die Begeisterung der Aka-Teilnehmer bei der Führung durch Siegfried‘s Mechanisches Musikkabinett in Rüdesheim. Viele von uns hatten gar nicht geahnt, dass es solche wunderschönen geschnitzten, bemalten, verzierten Schränke gibt, aus denen die vielen bekannten Lieder der 20er Jahre (früher und später) ertönen können. Die Musiktruhen, Stolz der Wirtschaftswunderjahre, sind NICHTS dagegen!
Isabelle, die junge Französin, führte uns durch viele Räume, in denen die kostbaren alten Instrumente stehen:
Grammophone (Edisons Original-Wachswalze), deren Nadeln nur ein einziges Mal benutzt werden dürfen; Drehorgelkästen (eine Zuschauerin durfte selbst drehen – uff, ganz schön anstrengend!); kleine Schnupftabakdosen, als Spieluhren gebaut, auf denen sich Vögelchen tanzend und singend drehen; kleine Kettenkarussells und vieles mehr.
„Wo ist der Pianist?“, fragt man sich angesichts des Flügels, dessen Tasten auf und ab gehen, wo scheinbar Geisterhände die Melodie spielen? Die jedoch wird durch eine elektrisch betriebene Lochkarte erzeugt.
Ja, Löcher und Stifte sind überhaupt die eigentlichen Verursacher der Töne aus den mechanischen Musikinstrumenten. Unzählige davon sind auf Walzen und großen Platten befestigt und „schnipsen“ an Metall-Lamellen, die ihrerseits dann die Töne erzeugen. Eine dieser Walzen aus Holz kann man in der kleinen Werkstatt besichtigen.
„Orchestrion: orgelähnlicher Musikautomat mit Zungenstimmen, vor allem Jahrmarktsinstrument“ – Liebes Knaurs Lexikon, diese Beschreibung ist viel zu banal für all die Herrlichkeiten in diesem Museum.
Und dann gab es noch gutes Essen in den „Ratsstuben“ und eine kleine Schiff-Fahrt rheinabwärts und manch einer schlürfte einen leckeren Rüdesheimer Kaffee (mit Alkohol!) und wir waren dankbar für das akzeptable Wetter und der Fahrer war auch O.K. und wir sind wieder gut nach Hause gekommen. Das war ein schöner Tag!
Text: Mika Dietrich / Fotos: Wolfgang Zimmermann