- ein Spaziergang mit Ingrid Scheffler und Renate Hoffmann

Beide Hügel lagen ursprünglich vor der Stadt und waren Weinberge. Mathilde, die bayrische Prinzessin, bekam diese Höhe von ihrem Schwiegervater, Großherzog Ludwig II., als Hochzeitsgeschenk und ließ einen Park mit Sommerhäuschen anlegen. Der Platanenhain ist noch ein „Rest“.

1899 hielt der Großherzog Ernst Ludwig Hochzeit. Für seine jüngste Schwester Alix und ihren Gemahl, Zar Nikolaus II. von Rußland wurde für ihre privaten Gottesdienst 1898 vom zaristischen Baumeister Louis Bernois, die russische Kapelle erbaut. Heute wunderschön renoviert, dient sie der russisch orthodoxen Gemeinde als Kirche.

Durch das sog. „Löwentor“ betreten wir den anderen Hügel, den Großherzogin Wilhelmine, Gattin Großherzogs Ludwig III Rosenhöhe“ nannte. Sie beruft Michael Zeyer, der den Schwetzinger Schloßpark gestaltet hatte, um den ehemaligen Weinberg in einen Landschaftspark zu gestalten. Wir lieben es noch heute, die gebogenen Wege entlang zu schlendern und immer wieder herrliche Bäume oder herrliche An- oder Ausblicke zu haben. Das verschindelte Gartenhaus und das von Georg Moller erbaute Teehäuschen stammen noch aus der Entstehungszeit des Parks. Großherzogin Wilhelmine hatte hier auch ein Sommerhaus, wo sie, der Hofetikette entflohen, leben konnte.

Als ihre kleine Tochter Elisabeth an Scharlach verstorben war, bat sie Hofbaumeister Moller, eine Grablegung für ihr geliebtes Töchterlein zu schaffen. Das alte Mausoleum, der einzige nicht zerstörte Mollerbau, findet sich hinter dem Eibenwäldchen, einem melanchonischen Ort. Im Mausoleum befindet sich der Sarkophag mit dem von Christian Rauch geschaffenen wunderschönen „schlafenden“ Prinzesschen, das die Damen am liebsten gestreichelt hätten, um es zu erwecken.

In den Seitenflügeln, später angebaut, befinden sich die Grablegen aller Großherzöge und Familien, sodaß in der Gruft der Stadtkirche alle Landgrafen nebst Familien bestattet sind.

Dann ging es weiter zu „Neuen Mausoleum“. Großherzog Ernst Ludwig, der die Rosenhöhe mit vielen Rosen ihrem Namen Ehre machte, ließ das Neue Mausoleum nach antikem Vorbild, dem Grabmal der Kaiserin Galla Placidia in Ravenna für seine Eltern Großherzog Ludwig IV. und Großherzogin Alice und seine verstorbenen Geschwister Friedrich und Marie errichten. Es sind wunderschöne Mosaiken, Pinienzapfen und Pfauen, die die Unsterblichkeit symbolisieren. Mir gefällt besonders gut der sternenüberzogene Himmel in der Kuppel. Die Steine für diese Kunst-werke wurden extra aus Venedig geholt.

Ernst Ludwig selbst hatte den Wunsch „laßt mich nicht in der Ahnen Mitte, laßt ruhen mich im freien Feld. In meinem Garten möcht ich liegen“ in seinem Garten begraben zu werden, wo auch schon seine Tochter Elisabeth (1895-1903), das „Prinzeßchen“, beigesetzt worden war. Das Grabmal – ein Engel mit ausgebreiteten Flügeln – ist von Ludwig Habich gestaltet. Im Oktober 1937 starb Ernst Ludwig und liegt nun neben seiner Ehefrau Eleonore, dem Sohn Georg Donatus und dessen Gemahlin Cäcilie sowie deren Kindern Ludwig und Alexander, die alle bei einem tragischen Flugzeugunglück am 16. November 1937 ums Leben kamen.

Diesen Gräbern gegenüber ruhen die beiden letzten Mitglieder der Fürstenfamilie aus dem Haus Hessen-Darmstadt Ludwig (1908-1968) und Margaret (1913-1968). Die Stadt Darmstadt pflegt, nach der Übernahme des Parks, die Gräber der im 20. Jahrhundert verstorbenen Mitglieder der großherzoglichen Familie.

Bericht: Friedel Lausberg, Bild: Ingrid Scheffler