Aka-Busreise nach Bad Nauheim und zum Rosendorf Steinfurth
Auch in den nächsten Jahren werden „Old Spice“, die „Schöne Westerwälderin“, „Belle Amour“ und andere Rosensorten mit romantischen Namen so manches Aka-Mitglied an den Juni-Tagesausflug 2016 nach Bad Nauheim erinnern.
Denn angesichts des überwältigenden Pflanzenangebots in zwei Rosengärten von Steinfurth, einem Stadtteil von Bad Nauheim, ließen sich viele zum Kauf von üppig blühenden Containerrosen verführen. Zumal sie vorher, im Rosenmuseum von Steinfurth, so viel Interessantes über die Königin der Blumen erfahren, ihren betörenden Duft geschnuppert und sogar ein Stück Torte mit Rosenblättern gegessen hatten.
Nicht allen war bewusst gewesen, dass das das Jugendstilbad von Bad Nauheim seine heutige Form dem kunstsinnigen Darmstädter Großherzog Ernst Ludwig verdankt. Es ist ein Gesamtkunstwerk aus der Zeit um 1910 und sollte eigentlich zusammen mit der Mathildenhöhe in den Katalog des Weltkulturerbes aufgenommen werden – doch den Nauheimern waren die Kosten für die Anmeldung des Verfahrens zu hoch. Der Glanz der Kurstadt ist zwar ein bisschen verblasst, aber dafür hat sie neues Renommee durch die Kerkhoff-Klinik gewonnen. Sogar Herztransplantationen werden in diesem Zentrum für Herz-, Lungen- und Rheumaerkrankungen durchgeführt. Das hat sich bis Saudi-Arabien herumgesprochen.
Für das Jugendstil-Ensemble mit Sprudelhof, Trinkkuranlage, Bäderhäusern Parks und Maschinenzentrale investierte der Großherzog zwischen 1903 bis 1912 etwa 10,5 Millionen Goldmark. Eine Sichtachse führt vom Bahnhof über den Sprudelhof zum Kurpark. Der ankommende Gast sieht die Kurlandschaft wie einen ausgerollten Teppich vor sich – und ist, hoffentlich, davon überwältigt.
Drei Badequellen mit stark kohlensäurehaltigem Wasser begründeten den Ruf des einst mondänen Bades, das auch gekrönte Häupter anlockte. Hier kurten Kaiserin Sissi (es hat ihr aber gar nicht gefallen), die letzte Zarenfamilie und die letzte deutsche Kaiserin Augusta Viktoria. In den fünfziger Jahren gönnten sich arabische Scheichs einen Gesundheitscheck in Bad Nauheim. König Feisal brachte sogar eigene Falken mit, die in einem Hotelzimmer untergebracht wurden. Was nicht gerade zur Verschönerung des Raums beitrug. Aber auch Erich Kästner kostete von den Trinkquellen und klagte in seinen Briefen „aus einem Herzbad“: „Es schmeckt wie Hering mit Lakritze.“
In zwei Gruppen aufgeteilt, wurden die Darmstädter durch einige Badehäuser geführt, von denen jedes über einen eigenen Innenhof mit einem Wasserbecken und eine kunstvoll gestalteten Wartehalle verfügt. Denn die Patienten sollten nur Schönes um sich herum sehen. Und damit das Auge nicht so schnell ermüdete, wurden Mosaiken und Dächer abwechslungsreich gestaltet.
Die 263 Badezellen hatten Zugang zu allen drei Badewasserquellen. Achtzig alte Wannen sind noch vorhanden, doch nur noch zehn werden heutzutage auch genutzt. Wie vor 100 Jahren kann man dort im 33 Grad warmen Wasser im Sprudelstrombad entspannen. Alle Wannen sind aus australischem Holz gefertigt, das auch für den Schiffsbau verwendet wird. Da mit 6000 Bädern pro Tag gerechnet wurde, war der Kurbetrieb einstmals ein großer Arbeitgeber für Zimmermädchen und Badefrauen.
Doch die Glanzzeiten endeten jäh in den achtziger Jahren als Folge der Gesundheitsreform. Heute gehört die Anlage der Stiftung Jugendstil. An den Gebäuden können Kunstliebhaber die Entwicklung vom floralen zum geometrischen Jugendstil und schließlich zum Art Déco- und Bauhaus-Stil nachverfolgen. Als Dekorationsmaterial wurde teilweise Marmor von der Lahn verwendet. Er war einst so geschätzt, dass er sogar nach Amerika exportiert wurde. Noch heute kann man „Nassauer Marmor“ aus Villmar in der Eingangshalle des Empire State Building von New York bewundern. Aber auch im Moskauer Kreml und im Palast eines indischen Maharadschas.
Akribisch wie immer hatte der Aka-Fachbereichsleiter Kunst, Helmut Linke, den Ausflug vorbereitet, er war aber leider gesundheitsbedingt verhindert. Ingrid Scheffler sprang für ihn in die Bresche und ermöglichte diesen lehrreichen, aber auch unterhaltsamen Ausflug - inklusive Rosen-Großeinkauf.
Text und Fotos: Petra Neumann-Prystaj